Vom Wirken der Erfahrung – ein Bericht von Claudia Regner

Meine Eindrücke von der LOK-Tagung im Spät-Herbst 2019

Die Tagung stand ganz im Zeichen von der Vorstellung verschiedener Peer-Projekte im psychischen und psychiatrischen Bereich, sowohl national als auch international. Sie wurde von den beiden Vereinen LOK Leben ohne Krankenhaus und FREIRÄUME realisiert. Hier kann der gesamte von Claudia Regner verfasste Bericht über die Tagung heruntergeladen werden: LOK-Tagung_Nov.2019

Wilma – ein Beitrag von Birgit

Unser Wellensittich Wilma ist im Juli im Alter von zwölf Jahren gestorben. Sie ist uns in dieser Zeit ans Herz gewachsen. Wir waren sehr traurig. Ihr Partner, Burli (6 Jahre alt) war durch Wilmas Tod verängstigt und aggressiv.

Deshalb entschlossen wir uns nach einem Trauertag, schon am nächsten Tag Burli im Zoologischen Handelsgeschäft eine neue Partnerin zu suchen. Wir fanden dort mit ca. 3 Monaten Wilma junior, die wie die Verstorbene grün mit gelben Köpfchen ist.

Zunächst starrten beide Vögel sich gegenseitig stundenlang an. Dann begann der Rangkampf: Wilma junior zwang Burli in mehreren Sturzflügen zu Boden. Sie ist viel behänder als er und das in ihrem zarten Alter. Der Rangkampf ist entschieden. Wilma junior ist vorrangig.

Mittlerweile sitzen beide Vögel einträchtig auf der Stange. Wilma junior`s Lieblingsspielzeug ist die Schaukel. Wasser und Futter hat sie entdeckt. So steht einem erfülltem Vogelleben nichts mehr im Wege.

I can´t breathe – ein Beitrag von Birgit

Floyds Tod in den USA durch pure Polizeigewalt ist erschütternd. Dabei sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass alle Menschen gleich sind, so wie das in den westlichen Verfassungen verankert ist.

Schon Martin Luther King träumt in seiner Rede „I have a dream“ von 1969 von der Gleichheit von Afro-Amerikanern und Weißen. Wer hätte geahnt, dass dies 2020 noch immer nicht erreicht wurde.

Floyds Tod rüttelt auf. Überall in den USA gibt es Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Hoffentlich ändert sich etwas: So wurde die Polizei von Minneapolis aufgelöst: in New York denkt man über eine Polizeireform nach.

Corona – ein Beitrag von Birgit

Wir sind zu zweit, nur nicht einsam sein jetzt in der Abgeschlossenheit zu Hause.

Es muss schrecklich sein so ganz allein die Wände anzuschauen.

Außerdem sind da noch der Hof und das Erholungsgebiet in der Nähe. Im Hof sieht man manchmal einen Nachbarn; der Abstand wird streng eingehalten. Im Erholungsgebiet bin ich auch das eine oder andere Mal mit meiner Betreuerin von LOK. Sie kommt einmal in der Woche. Das bringt einen auch auf andere Gedanken.

Seit kurzem machen mein Freund und ich einen Ausflug am Sonntag Nachmittag; so waren wir in den Schlossgärten von Schönbrunn und vom Belvedere. Diesen Sonntag möchten wir gerne zum Volksgarten.

Wir telefonieren viel und halten so Kontakt zu unseren Freunden. Ganz besonders helfen mir die regelmäßigen Gespräche mit EX-IN. Auch schauen wir viel fern. Ich schlafe sehr viel.

DAS NORMALE LEBEN IST WEGGEBROCHEN.

Nur nicht einsam sein und nur noch die Wände anschauen.

Heute fallen viele der Ausgangsbeschränkungen. Wir können wieder Freunde sehen. Mit der Zeit wird sich das für uns auch wieder ergeben.

Heimat – ein Beitrag von Birgit

Ich bin Deutsche aus Hessen, aus der Nähe von Frankfurt/M stammend.

Seit ca. 20 Jahren lebe ich in Österreich, Wien, meiner Wahlheimat. Die österreichische Kultur ist für mich eine Bereicherung. Inzwischen habe ich einige österreichische Wörter angenommen, was mich für meine deutschen Verwandte und Freunde mehr zur Österreicherin macht; während ich für Österreicher wegen meines strengen deutschen Akzents eindeutig Deutsche bin.

Gehöre ich denn jetzt nirgends mehr dazu?

Zugegeben bei Sportwettbewerben schlägt mein Herz noch deutsch. Auch höre ich mit Interesse die deutschen Nachrichten. Jedoch, weil das mein Leben weit mehr betrifft, stehen für mich die österreichischen Nachrichten im Vordergrund.

Oft sehe ich mich auch als EU-Bürgerin, um so meiner inneren Zerrissenheit zu entgehen.

Auch die Bezeichnung Weltbürgerin gefällt mir gut.

DLRG – ein Bericht von Birgit

Da ich so zurückdenke an meine Jugend, würde ich gerne vom DLRG erzählen. DLRG steht für Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft und ist eine Wasserrettung. Die meisten deutschen Bademeister haben ihre Schwimmausbildung beim DLRG gemacht.

So suchte auch ich, als ich in die Oberstufe ging, nach einem sinnvollen Engagement. Ich entschied mich Sport und Engagement zu verbinden und machte meine Schwimmausbildung beim DLRG. Wir trafen uns jeden Montagabend im Hallenbad und schwammen, tauchten und sprangen. Auch Kleiderschwimmen, gegenseitiges Abschleppen und retten sowie nach Ringen tauchen war dabei. Natürlich mussten wir auch den Erste Hilfe Schein absolvieren. Ich brachte es immerhin bis zum Silbernen Rettungsschwimmerschein. Der Goldene war mir zu schwer. Dazu hätte 50 m Tauchen gehört, was ich nicht schaffte.

Im Sommer, wenn dann das Bad so richtig schön voll war, ließ ich mich zur Beckenwache einteilen. Am Anfang war ich zugegeben recht streng, aber später wurde ich dann auch gelassener.

Herbst – ein Gedicht von Birgit

Von den Wäldern steigt der Nebel empor
Die Blätter der Bäume leuchten im Sonnenlicht Gold, Kupfer und Rot
Kindheitserinnerungen vom Nebel erwachen
Abgeschiedene Wanderungen mit unserem Hund Marko
Einsam am Schneefeld ging ich fast verloren
Ich empfand das als Abenteuer
Ich liebte den Nebel
Im Gegensatz zu meiner Mutter, die Rheuma hatte
Ihr fuhr die Feuchtigkeit in die Glieder
Heute schaue ich noch gerne in die milchig-graue Suppe
Träume von damals